January 16th, 2010
Amos Oz - Eine Geschichte von Liebe und Finsternis
Suhrkamp Verlag, 2008, Übersetzer Ruth Achlama, 829 Seiten
Originalausgabe Ssipur al ahava we-choschech, 2002 in Jerusalem
Inhalt/Klappentext
Die Geschichte des Jungen Amos, der im Jerusalem der vierziger Jahre aufwächst – eine große Familien-Saga, ein Epos vom Leben und Überleben, ein Buch der Enttäuschungen und der Hoffnung.
Zitat
„Ich schaue aus dem Fenster und trauere. Nicht über das, was nicht mehr ist, sondern um das, was nie war.“ (Tante Sonia)
Wie kam die Geschichte in meine Hände?
Wir haben den Roman für ein Seminar in der Uni gelesen.
Meine Meinung
Eine Geschichte von Liebe und Finsternis ist ein ganz wundervolles Buch, das seinem Titel in jeder Hinsicht gerecht wird.
Amos Oz erzählt seine Kindheit und Jugend in Israel auf eine Art und Weise, die einen regelrecht in das Buch hinein zieht. Mit viel Wärme beschreibt Amos seine Familienmitglieder, den verschrobenen Gelehrten Onkel Joseph, die hygienefanatische Oma Schlomit und Opa Alexander, Amos Eltern Fania und Arie. Man hat das Gefühl, man kennt diese merkwürdigen, aber überaus liebenswerten Gestalten, man ist dabei, wenn sie diskutieren und sitzt mit Amos und seinem Vater am Tisch und macht Lagebesprechungen.
Das Buch beleuchtet aber auch die Schattenseite einer Familie, die vor dem Holocaust aus Odessa und Rowno nach Israel geflohen ist. Eine Familie, die viele Sprachen spricht, aber nirgends wirklich zu Hause ist, immer Angst vor einer erneuten Vertreibung hat und in sich eine endlose Sehnsucht trägt, nach der alten Heimat, nach verstorbenen Freunden und nach dem Land Israel, das es nie gegeben hat.
Und während Amos Oz die Geschichte seiner Familie erzählt, erzählt er automatisch auch die Geschichte des Staates Israels, die Geschichte vieler Juden, die während der Zeit des dritten Reiches aus ihren Ländern fliehen mussten, um zu überleben und die einige Jahre später in den Kellern Jerusalems wieder ums Überleben bangen mussten.
Eine Geschichte über Tragödien im großen und kleinen und die Hoffnung auf den Frieden.
Was mir sehr gut gefällt, ist dass Amos Oz den Krieg sehr sachlich beschreibt. Natürlich ist das die jüdische Sicht des Krieges, aber sie ist nicht voller Hass und Abscheu. (wen die andere Seite auch interessiert, meine Kommilitonin hat mir das Buch “Es war einmal ein Land: Ein Leben in Palästina” von Sari Nusseibeh empfolen)
Für mein Referat habe ich die politischen Essays von Amos Oz gelesen und je mehr ich lese, desto mehr beeindruckt mich dieser Mann, der ein riesiges Herz haben muss, der Mitglied der Friedensbewegung Schalom Achschaw (Peace now) ist und sich für die Kommunikation zwischen Israelis und Palästinensern einsetzt.
Es war mein erstes Buch von Amos Oz, aber bestimmt nicht das letzte.
Am meisten hat mich seine Sprache beeindruckt, mit wieviel Liebe und Poetik er Dinge, Orte und Menschen beschreibt, dass er einen Berg als Nachbar bezeichnet und die Wärme, die sich durch die gesamte Erzählung zieht.
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