Siri Hustvedt - Was ich liebte

OT: What I loved, 2003

Inhalt
Die Geschichte dreht sich um zwei Künstlerfamilien in New York. Klar im Mittelpunkt steht die enge Freundschaft zwischen dem Ich-Erzähler Jo und dem Künstler Bill. Beide bekommen zeitgleich einen Sohn, wohnen mit ihren Frauen im selben Haus. Jedoch hält das Glück nicht lange…

Der erste Satz
Gestern fand ich Violets Briefe an Bill.

Wie kam die Geschichte in meine Hände?
Das Buch bekam ich beim Osterwichteln 2010

Meine Meinung
Was ich liebte ist ein ganz wundervolles Buch, ich bin noch immer wie verzaubert.
Die Freundschaft von Jo und Bill hat mich sehr berührt. Die Art wie sie einander bereichern und helfen, für einander da sind, ist beeindruckend. Mir hat auch die Vater-Sohn-Beziehung zwischen Jo und Matt sehr gut gefallen. Die Art, wie Jo alles erklärt und die philosophischen Gespräche, die sie führen.
Als im zweiten Teil ein tragisches Unglück geschieht, müssen alle lernen mit diesem Schlag umzugehen. Man könnte hier leicht in einen kitschig-melodramatischen Stil abrutschen, doch Siri Hustvedt umschreibt die Trauer in einer so anrührenden und zarten Art, dass von Kitsch keine Rede sein kann.
Der dritte Teil des Buches ist fast schon ein kleiner Krimi. Es dreht sich alles um Bills Sohn Marc und einen verrückten Künstler. Obwohl mir dieser Teil nicht so gefallen hat, möchte ich ihn nicht missen. Denn jede Zeile, die ich mit Jo auf der Reise über die Seiten verbringen durfte, war für mich Gold wert.

Insgesamt finde ich die Charaktere sehr liebevoll gestaltet, keiner ist zu viel oder zu wenig. Jeder hat eine bestimmte Funktion und ist für die Geschichte wichtig.
Der atmosphärische Schreibstil hat es mir besonders angetan. Für mich ist er das, was das Buch wirklich lesenswert macht. Siri Hustvedts Sprache ist wunderschön und die beschriebenen Orte und Personen werden vor dem inneren Auge sichtbar.
Ich wünschte, ich hätte das Buch noch nicht gelesen. Denn auch wenn ich es wieder lesen werde, ist die erste Entdeckung doch am Schönsten.

Bewertung
5 von 5 Pinseln und eine extra Kirsche

Knallende Korken

Das Jahr ist zuende und schwupps ist schon ein neues da.
Silvester habe ich trotz meiner Abneigung gegen diesen Tag gut überstanden. Und wieder einmal wurde ich an meinem ursprünglichen Plan (der darin besteht auf dem Sofa zu liegen, Dinner for one zu schaun, Kräcker zu essen und “A long way down” von Nick Hornby zu lesen) abgehalten.
Das neue Lesejahr beginnt mit einem Stapel ungelesener Bücher von 264 (ja, dass ist möglich und gar nicht so abnormal, wie einige von euch jetzt denken). Und mit Siri Hustvedt. Aber mehr von ihr, wenn ich mit dem Buch fertig bin.

Verfolgungswahn

Ich werde verfolgt. Von Charles Lamb.
Zuerst begegnete er mir in Deine Juliet. Dort spielt er eine große Rolle. Er ist der Grund für den Beginn der Brieffreundschaft zwischen Dawsey und Juliet. Ohne ihn hätten sich die beiden niemals Briefe geschrieben.
Vor ein paar Tagen habe ich Wer die Nachtigal stört… von Harper Lee beendet. Und auch hier,..schon wieder,..Charles Lamb. Innerhalb von knapp einem Monat werde ich zweimal mit der Nase auf Charles Lamb gestoßen. Wer war also dieser Charles Lamb?

Charles Lamb (1775-1834) war ein englischer Dichter, der zuerst unter dem Namen Elia Essays im London Magazine veröffentlichte. Diese werden auch in Deine Juliet erwähnt. Später schreibt er Kritiken und Gedichte. Er hat einen Bruder und eine Schwester, die offenbar ihre Mutter mit eine Stricknadel erstochen hat. Lamb kümmert sich sein Leben lang um seine geistig kranke Schwester, welche sich auch an seinen Gedichtsbänden beteiligt.

Soviel erstmal dazu. Essays of Elia werde ich mir wohl demnächst anschaffen. Wenn sie schon dauernd auftauchen, sollte ich das als Wink mit dem Zaunpfahl sehen. Oder wie Nick Hornby sagen, dass ein Buch zum nächsten führt.

Der Lesemonat September


Der September war in punkto Lesen sehr ergiebig, was besonders meinem Urlaub zu verdanken ist. Neun Tage nur schlafen, lesen und am Meer faulenzen - da schafft man einiges an Büchern.
Angefangen hat der Monat aber erstmal mit meinem Geburtstag und damit auch mit drei neuen Büchern. Eins davon hat gleich Anfang September mein Herz im Sturm erobert.

Mary Ann Schaffer - Deine Juliet
OT: The Guernsey Literary and Potato Peel Pie Society 2008
Man sollte sich auf keinen Fall von dem an kitschige Liebesschnulzen erinnernden Cover abschrechen lassen und auch nicht von den Pressestimmtn. Deine Juliet ist ein wundervolles, gar nicht kitschiges Buch über Menschen, die Bücher lieben, über skuriele Charaktere, die große Freundschaft für einander empfinden und über die kleine Insel,die ihr Zuhause ist. Ein abslut lesenswerter Briefroman!
Wertung
5 von 5 Eisteegläser

Haruki Murakami - Nokos Lächeln
OT: Noruwei no mori 1987
Murakami ist immer ein Lesegenuß. Seine Sprache begeistert mich. Wie immer war es weniger die Geschichte selbst, die mich fasziniert hat, sondern eher das drum herum. Bei Murakami habe ich das Gefühl eine andere Welt öffnet sich. Sofort sehe ich Räume, Farben, Lampignons und rieche den Duft von Blumen, asiatischem Essen und Herbstlaub. Keine ahnung warum.
Die Geschichte von Toru, Naoko, Kizuki und Midori erzählt von der Liebe und vom Tod. Wie auch in Murakamis Werken sind seine Figuren zerbrechlich. Sie erscheinen wie Schiffbrüchige, die versuchen sich so lange über Wasser zu halten, bis man sie rettet.
Leider habe ich den Film nicht im Kino gesehen,…ich wüsste gerne, wie die Geschichte umgesetzt wurde.
Wertung
5 von 5 Glückskekse

Ernest Hemingway - Fiesta
OT: The sun also rises 1926
Fiesta war das Lieblingsbuch meines Opas. Von Hemingway hat er sich verstanden gefühlt, da sie eine Gemeinsamkeit hatten. Den Krieg.
Vordergründig dreht sich die Geschichte um eine Gruppe befreundeter Amerikaner, die in Paris leben und zum Stierkampf nach Pamplona aufbrechen. Sie feiern, trinken und sitzen in Cafés. Doch in der Erzählung schwingt auch die Sprachlosigkeit über den Krieg mit. Er wird höchstens angedeutet, niemals sprechen die Freunde wirklich darüber, was ihnen geschehen ist. Der Krieg ist ein stiller Begleiter während alle Normalität vortäuschen. Auffällig ist auch die Einsamkeit, die alle Charaktere verspüren.
Insgesamt hat mir das Buch sehr gut gefallen. Die Sprache ist schön und unkompliziert; kein verschnörkelter Satzbau. Die Beschreibungen des Stierkampfes fand ich auch toll, obwohl ich keinen Stierkampf mag.
Wertung
5 von 5 Stiere

Die Insel der blauen Delphine von Scott O’Dell (OT: Island of the Blue Dolphins 1960) habe ich zwischen zwei Büchern eingeschoben. Die Geschichte um das Indianermädchen und ihren wilden Hund Rontu war schön zu lesen. Schade, dass ich es nicht als Kind gelesen habe, da hätte ich mich richtig für begeistern können.
Schwarz von Stephen King (The Dark Tower: The Gunslinger 1976) war ein re-read. Ich möchte dieses Jahr die Saga um den dunklen Turm weiterlesen und muss mich erstmal wieder auf den Stand der Dinge bringen.

Geburtstags Teeparty

Danke an alle, die an diesem wunderschönen Tag bei mir waren oder an mich gedacht haben. Die Teeparty war ein riesen Erfolg und ich bin der Meinung, man sollte öfter alte Traditionen wieder erwecken.

Neue Freunde

heming-murak.jpg

Diese zwei neuen Schätze habe ich am Freitag gekauft. Schuld sind diverse kulturelle Informationsmedien. In der Kulturzeit von 3Sat habe ich am Donnerstag einen Bericht über die Verfilmung von Naokos Lächeln gesehen und dachte mir, ich sollte das Buch lesen, bevor ich ins Kino stürze. Zumal ich ja sowieso ein großer Murakami Fan bin.
Freitagmorgens habe ich dann den Literaturteil der Zeit ausgiebig studiert und erfahren, dass es Hemingways Paris, Ein Fest fürs Leben nun in der ursprünglichen Fassung des Autors und noch dazu in einer sehr guten Übersetzung von Werner Schmitz zu kaufen gibt. Also nichts wie los…

Benedict Wells - Becks letzter Sommer

wells.jpg Benedict Wells
Becks letzter Sommer
Erstveröffentlichung 2008
Diogenes Verlag
454 Seiten

Inhalt
Ein liebeskranker Lehrer, ein ausgeflippter Deutschafrikaner und ein musikalisches Wunderkind aus Litauen auf dem Trip ihres Lebens, von München durch Osteuropa nach Istanbul. Unter den Fittichen eines alternden Rockstars und seiner unsterblichen Songs. Ein Roman über die Musik, die Liebe und das Leben - schräg, witzig, weise und berührend. Das Debüt eines dreiundzwanzigjährigen Autors.

Der erste Satz
Als er bei Neapel vor einem Lokal parkte, hatte Beck acht Stunden Fahrt und sein ganzes Leben hinter sich.

Wie kam die Geschichte in meine Hände?
Ich habe das Buch beim Weihnachtswichteln in meinem Bücherforum bekommen.

Meine Meinung
Beck ist Mitte 30 und Lehrer für Deutsch und Musik. Er ist nicht zufrieden mit seinem Leben, das er einfach so vor sich hinlaufen lässt, ohne das irgendetwas passiert. Lehrer ist er nur aus Bequemlichkeit heraus, richtige Leidenschaft für den Beruf hat er nicht. Er fühlt sich alt und erschöpft und wünscht sich nichts mehr, als nochmal jung zu sein.
Doch dann kommt Rauli Kantas in seine Klasse und erweist sich als musikalisches Wunder. Rauli kann nicht nur fabelhaft Gitarre spielen, er hat auch eine schöne Stimme und irgendwie scheint alles, was er tut zu gelingen. Beck fängt an von einer Band zu träumen, doch natürlich ist dieser Traum zum Scheitern verurteilt.
Becks letzter Sommer ist ein richtig gutes Buch über den Wunsch immer jung sein zu wollen, einen verrückten Roadtrip in die Türkei, die nicht immer einfachen Beziehungen zwischen Menschen und die Angst vor dem eigenen Scheitern.

Wertung:
4,5 von 5 Kekskrümel

Haruki Murakami - Wie ich eines schönen Morgens im April das 100%ige Mädchen sah

murakami2.jpg Haruki Murakami
Wie ich eines schönen Morgens im April das 100%ige Mädchen sah
Erstveröffentlichung 1993
Aus dem von japanischen von Nora Bierich (2008)
btb Verlag
189 Seiten

Klappentext
Ein Mann trifft auf deine Traumfrau und lässt sie fahrlässig ziehen. Ein anderer fühlt sich wegen eines Lötkolbens nicht mehr wohl zu Hause. Und eine Hausfrau sitzt ohne bestimmtes Ziel im Garten und trifft dabei auf ein grünes Monster, das jeden ihrer Gedanken lese kann…

Der erste Satz
Eines schönen Morgens im April komme ich auf einer kleinen Seitenstraße in Harajuku an dem 100%igen Mädchen vorbei.

Wie kam die Geschichte in meine Hände?
Gekauft habe ich mir diesen Murakami bei einem Forumstreffen in Marburg.

Meine Meinung
Obwohl Murakami ungeschlagen unter den Top 5 meiner all-time-favorite Autoren bleibt, haben mich nicht alle Kurzgeschichten dieses Buches überzeugt. Die Titelgeschichte fand ich sehr schön. Der Ich-Erzähler schildert, was er machen würde, wenn er nochmal am 100%igen Mädchen vorbeikommt. Allein der Begriff 100%iges Mädchen hat mich verzaubert.
Meine weiteren Highlights waren Familiensache und Der letzte Rasen am Nachmittag, welches meine Lieblingsgeschichte in diesem Band ist, da sie meiner Meinung nach am stärksten das herausbringt, was Murakami für mich ausmacht. Eine ganz bestimmte sanfte Melancholie.
Einige der anderen Geschichten fand ich schwach. TV-People und Der tanzende Zwerg haben mich nicht überzeugt. Der tanzende Zwerg hat mir sogar irgendwie ein wenig Angst gemacht. Ich fand die Geschichte ein wenig gruselig.

Wertung
3 von 5 Kekskrümel

Bella Italia

tramin-11-5.jpg

Vier Tage Besuch in einer unserer Partnerstädte mit meinen Parteikollegen klingt langweilig? Ist es aber definitiv niemals. Nachdem wir letztes Jahr unseren Freunden in Saalfelden einen Besuch abgestattet haben, war das Ziel dieses Jahr die kleine Südtiroler Stadt Tramin. Unser Hotel-Schloss lag zwischen Weinbergen und Apfelbäumen. In der Ferne hatte man von überall aus einen Blick auf die Berge. Neben Weinbergführungen, Weinprobe und Empfang im Rathaus stand auch ein Besuch des fantastischen Messner Mountain Museum auf dem Plan, wo uns Reinhold Messner persönlich begrüßte (er sieht wirklich so aus, wie auf den Fotos) und wir seine beeindruckende Sammlung an asiatischen Götterstatuen bewundern konnten. Außerdem machten wir noch einen Abstecher nach Bozen, um uns Ötzi den Mann aus dem Eis und die schöne Stadt anzusehen.

Michael Ende - Jim Knopf und die Wilde 13

Thienemann Verlag, 1962, 256 Seiten

Klappentext
Michael Ende erzählt die unglaublichen Abenteuer, die Jim Knopf und sein Freund Lukas der Lokomotivführer gemeinsam mit der alten Lok Emma erleben. Selbstverständlich verläuft die Reise genauso aufregend wie die früheren Fahrten der beiden Freunde. Sie schließen Bekanntschaft mir dem Meerkönig und seiner entzückenden Tochter Sursulapitschi, sie erfinden das Perpetumobil, mit dessen Hilfe die unverwüstliche Lok emma fliegen lernt, und sie besiegen die schreckliche Seeräuberbande der “Wilden 13″.

Der erste Satz
In Lummerland war die meiste Zeit schönes Wetter.

Wie kam die Geschichte in meine Hände?
Meine Mama hat mir Jim Knopf schon vorgelesen, als ich noch ein kleines Kind war.

Meine Meinung
Jim und Lukas begeben sich auf den Weg in die Wüste Das Ende der Welt um Herr Tur Tur nach Lummerland zu holen, damit er zukünftig als Leuchtturm arbeiten kann. Natürlich verläuft die Reise nicht ganz so, wie geplant. Sie treffen den Meereskönig und seine Tochter, reparieren das Meeresleuchten, erfinden das Perpetomobil und fliegen über die Krone der Welt. Auf dem Rückweg haben sie nicht nur Herr Tur Tur, sondern auch den Halbdrachen Nepomuk im Gepäck. Denn für jeden ihrer Freunde finden Jim und Lukas eine Aufgabe, damit sie nicht mehr so alleine sind.
Als der Goldene Drache der Weisheit aus seinem Schlaf erwacht, erfahren sie auch, wie sie Molly aus dem Händen der Wilden 13 zurück gewinnen können und sie machen sich sogleich auf den Weg.

Ich habe mich so gefreut mehr von Jim, Lukas, Herr Tur Tur und den anderen Bewohnern von Michael Endes Welt zu lesen. Die Abenteuer von Jim und Lukas sind immer wieder spannend und rührend zugleich. Sie schließen Freundschaft mir den wunderlichsten und wildesten Geschöpfen.
Selbst ihre früheren Feinde werden durch ihre Güte und Liebenswürdigkeit zu Freunden. Dies ist es, was ich so sehr an Michael Endes Geschichten mag. Ihre Figuren sind ehrlich und rein, sie sind einfach und entwickeln sich immer zum Guten, manchmal scheint es, als seien sie tief drinnen immer schon gut gewesen.

5 von 5 Leseratten